Von Wendungen und Zimmergrün

Gepostet am 19. April 2012

Wie oft sitze ich abends zuhause vorm Fenster und denke: „Manohman, wat haste dich heute wieder blamiert.“ Aber dann fliegt ein Vögelchen vorbei … und ich denke an halbes Hähnchen mit Pommes.

Ähnlich verhält es sich mit dem grünen Daumen. Einst buschig und voller Blütenpracht, löste sich soeben raschelnd das letzte Blatt des mir namentlich unbekannten Zimmergrüns und schwebte seufzend zu Boden. Was für ein Schauspiel! … und ich denke an Miriam.

Miriam, meine allerallerbeste Grundschulfreundin. Eine beispiellose Mädchenfreundschaft, mitunter geprägt durch Gummitwist, My Little Pony und der Überzeugung, dass jeglichen Lebewesen gebührender Respekt entgegen gebracht werden sollte. Aus diesem Antrieb heraus und weil wir gerade nichts Besseres zu tun hatten, kletterten wir also von unserem Lieblingsbaum und verteilten kunstvoll gefertigte Handzettel in der Nachbarschaft, mit der kompromisslosen Botschaft, dass Gänseblümchen und Regenwürmer auch Gefühle hätten und man sich das gefälligst vor Augen halten solle, wenn man das nächste mal über eine Wiese stampft. Revolutionär! Nicht nur dadurch, dass unsere meisterhaft gemalten Gänseblümchen und Regenwürmer kleine Hüte und Spazierstöcke trugen.

Eine gute Erinnerung. Leider verloren wir uns viel zu früh aus den Augen und ich weiß nicht mal was aus ihr schlussendlich geworden ist. Miriam hat aber einen älteren Bruder. Den Sören. Der konnte Judo. Und nach dem Training eine ganze Flasche Sprudel auf Ex trinken. Und dann rülpsen. 10 Minuten am Stück. Bei geschlossenem Fenster. Ungelogen! Bis heute eins der bemerkenswertesten Schauspiele meiner frühen Jugend. Außerdem hatte Sören einen C64, auf dem wir manchmal Bubble Bobble spielen durften. Was für ein Teufelskerl!

Sören ist heute übrigens Kandidat der SPD für das Amt des Oberbürgersmeisters in Duisburg. Interessante Wendung, wie ich finde.

Was auch immer. Ich für meinen Teil werde meinem nackten Zimmergrün erst einmal ein wärmendes Deckchen überwerfen. Ist bestimmt ziemlich kühl, so ganz ohne Blattwerk … und vielleicht ist ihm die Blöße ja auch ein klein bisschen peinlich …

Passierschein A38

Gepostet am 26. Februar 2012

Ehe braucht gewissenhafte Voraussetzungen. Das leuchtet ein. Die Eheschließung braucht ebenso Voraussetzungen, wenn auch andere.

Vorrangig ist vom zuständigen Standesbeamten formsicher zu prüfen, dass man überhaupt existiert. Was mich zu der These führt, dass Standesbeamte offensichtlich an Gespenster glauben und dazu noch nicht mal bereit sind, anderer Leutes Nase zu stupsen, um festzustellen, dass sein Gegenüber tatsächlich aus Fleisch und Blut besteht. Nein. Überflüssigerweise brauchen Standesbeamte Geburtsurkunden.

Also führt mich mein Weg ins beschauliche Duisburg Hamborn, in sein noch beschaulicheres Rathaus, mit seinem allseits beliebten inhäusigen Restaurant Ratskeller ohne Kegelbahn. Der Ratskeller ist jedoch geschlossen, denn scheinbar hat um 08:00 Uhr morgens niemand Lust nicht zu kegeln. Unverständlicherweise.

Laut Beschilderung erhalte ich das ersehnte Papier im 2. Stock. Mit einem solch beschwerlichen Verlauf meiner Mission hatte ich nicht gerechnet. Der Schock sitzt tief. In schwindelerregenden Höhen angekommen erwarten mich zunächst drei Trauräume, an denen lieblose Zettel heften, man dürfe auf keinen Fall klopfen. Unfassbar empört über diese Anstiftung zur Unhöflichkeit folge ich dem langen Korridor und schreite Bürotüren ab.

Im ersten Zimmer ist es dunkel, keiner da. Beim zweiten Raum handelt es sich um eine Damentoilette, ich habe jedoch keinen Bedarf. Der dritte Raum ist eine Herrentoilette, zwei von drei Kabinen sind besetzt. Das vierte Zimmer ist ein staubiger Aktenraum, auf der Fensterbank steht ein Hamsterkäfig neben einer Topfpflanze. Zimmer fünf ist abgeschlossen, ich höre ein leises Wimmern. Im sechsten Büro sitzen drei ältere Damen in Strickmode, die mir berichten, ich sei hier falsch. Im siebten Raum sitzen zwei Herren in der Wanne und streiten um eine Ente. Der achte Raum beherbergt drei Chinesen und ein Kontrabass. Zimmer 9 bietet eine fantastische Aussicht über Paris. Die Räume 10, 11 und 12 sind nur für Mitglieder. In Raum 13 schellt das Telefon, ich gehe ran und eine junge Mädchenstimme weissagt, ich sei in sieben Tagen tot. Im 14. Zimmer sitzt Helmut Schmidt und raucht. In Raum 15 reißen Scobby-Do und Shaggy dem Hausmeister gerade die Maske runter.

Ich erreiche das Ende des Korridors. Die letzte Tür.

Eine junge Frau bittet mich, draußen noch einen Moment Platz zu nehmen, sie rufe mich gleich rein. Ich habe die Wahl zwischen drei Stühlen und nehme den linken. Durch die geschlossene Tür vernehme ich Tassengeklimper und gute Stimmung. Man unterhält sich über das gestrige Abendprogramm. Es riecht nach Seife und Heizungslack. Weiter hinten im Gang trabt ein deprimiertes Rhinozeros und heult blaue Blumen. Ich werde herein gerufen.

Fortsetzung folgt …

Urnengang

Gepostet am 12. Februar 2012

Duisburg. Geliebte Heimat und am heutigen Tage Austragungsort eines kostbaren Schauspiels: Der Abwahl eines Politikers, weil er ein schlechter Mensch ist. Wir wünschen Herrn Sauerland auf seinem weiteren Lebensweg gute Besserung.

 

 

Lustige Geschmacklosigkeiten mit Sprühkleber

Gepostet am 1. Februar 2012

Wer kennt das nicht? Draußen herrscht die Arscheskälte, Hunger bis unter beide Arme und wiedermal nur Sprühkleber und Filzlappen im Haus. Da lässt sich doch was draus machen!
Zutaten
 
 
 
 

 Tolle Sache! Satt wird man natürlich nicht, also einfach beim Pizzataxi anrufen und danach beschließen, ein besseres Bild bei Tageslicht zu schießen. Bon Appetit.

 

 

Los Angeles & Locherstanzen

Gepostet am 30. Januar 2012

via http://www.fanpop.com/spots/hans-gruber/
„Hören Sie sofort auf damit, Gruber!“
„Was?“
„Jetzt tun Sie nicht wieder so!“
„Häh?“
„Häh? Häh? Jeden verdammten Tag schleichen Sie sich an mich ran, um sich sofort wieder davon zu schleichen. Aber ich habe Sie durchschaut, Gruber. Genug ist genug!“
„Ich schleiche nicht, ich bin Buchhalter.“
„Sie können mir viel erzählen.“
„Ehrlich? Wissen Sie, ich glaube Loretta aus dem 4. ist schon wieder schwanger.“
„Nein, verdammt! Ich weiß genau, was Sie im Schilde führen. Hans Gruber? Das ich nicht lache. Hahahahahahahahahahaha!“
„Jetzt haben Sie ja doch gelacht. Wie inkonsequent.“
„Pah! Geben Sie es doch endlich zu, Gruber: Sie wollen den Safe.“
„Wie oft soll ich es Ihnen den noch sagen: Ich. Habe. Stirb. Langsam. Nie. Gesehen. Zum Mitschreiben. Und einen Safe gibt es hier auch nicht. Wir verkaufen Schuhlöffel aus Esspapier, verdammt nochmal!“
„Ach ja? Ach ja? Dafür sind Sie aber mächtig an der nächsten Weihnachtsfeier interessiert, Freundchen. Verdächtiger Zufall, was? Wollen uns wohl alle als Geiseln nehmen, hm? Na? Na? Na? Na? Na? Na?“
„Hören Sie auf mich zu pieken!“
„Warum den so nervös, Gruber?“
„DIE BUCHHALTUNG ORGANISIERT DIE WEIHNACHTSFEIER DIESES JAHR, SIE VERRÜCKTER SPINNER!“
„Die Schlinge zieht sich zu, Gruber. Halten sich wohl für besonders schlau. Wo waren Sie eigentlich gestern Nachmittag gegen viertel nach vier? Soll ich´s Ihnen verraten? Standen auf dem Parkplatz rum und haben Pläne ausgeheckt, mit diesem scheußlichen blonden Kerl.“
„Das war meine Frau.“
„Hoppla, das ist mir jetzt aber unangenehm.“
„Schon gut. Sie war mal Schwimmerin.“
„Hm.“
„Hm.“
„Wollen Sie wissen, woran Sie scheitern werden?“
„Nein.“
„Schade.“
„Wissen Sie, Sie erinnern mich auch ein bisschen an Severus Snape. Waren Sie mal in England?“
„Nein.“
„Sagen Sie mal: Abrakadabra!“
„Sie können mich mal.“
„Jetzt machen Sie schon!“
„Abrakadabra!“
„Nein. Das klingt so gar nicht nach ihm.“
„Hm.“
„Ich mag Sie wirklich nicht, Gruber. Allein diese abscheuliche Krawatte. Würg.“
„Dafür habe ich Sie vorgestern beim Betriebsrat angeschissen!“
„Wegen den abgefeilten Locherstanzen? Das können Sie mir nicht nachweisen.“
„Daneben lag ein Polaroid, auf dem Sie mir den Stinkefinger zeigen!“
„Das könnte jeder gewesen sein. Außerdem: Wer macht sich schon die Mühe und feilt einen Locher rund. Pffff.“
„Das wird Konsequenzen nach sich ziehen!“
„Uiuiuiuiui, jetzt habe ich aber die Buxe voll. Was hat der Betriebsrat denn gesagt?“
„Er war nicht in seinem Büro, da habe ich so getan als ob.“
„Sie sind eine Niete, Gruber.“
„Und Sie ein widerwärtiger Psychopath.“
„Trösten Sie sich, Gruber. Gleich ist Meeting. Laufen wir um die Wette?“
„Von wegen. Letztes Mal sind sie auch einfach losgerannt.“
„Sie hätten eh keine Chance in ihren geschmacklosen italienischen Slippern.“
„Das ist Kowalski aus dem Vertrieb. Ich trage Geox.“
„Pffff, Sozialdemokrat.“

 

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Vergrämern, wenngleich auch minderwertige, sind eine bodenlose Frechheit.