Ehe braucht gewissenhafte Voraussetzungen. Das leuchtet ein. Die Eheschließung braucht ebenso Voraussetzungen, wenn auch andere.

Vorrangig ist vom zuständigen Standesbeamten formsicher zu prüfen, dass man überhaupt existiert. Was mich zu der These führt, dass Standesbeamte offensichtlich an Gespenster glauben und dazu noch nicht mal bereit sind, anderer Leutes Nase zu stupsen, um festzustellen, dass sein Gegenüber tatsächlich aus Fleisch und Blut besteht. Nein. Überflüssigerweise brauchen Standesbeamte Geburtsurkunden.

Also führt mich mein Weg ins beschauliche Duisburg Hamborn, in sein noch beschaulicheres Rathaus, mit seinem allseits beliebten inhäusigen Restaurant Ratskeller ohne Kegelbahn. Der Ratskeller ist jedoch geschlossen, denn scheinbar hat um 08:00 Uhr morgens niemand Lust nicht zu kegeln. Unverständlicherweise.

Laut Beschilderung erhalte ich das ersehnte Papier im 2. Stock. Mit einem solch beschwerlichen Verlauf meiner Mission hatte ich nicht gerechnet. Der Schock sitzt tief. In schwindelerregenden Höhen angekommen erwarten mich zunächst drei Trauräume, an denen lieblose Zettel heften, man dürfe auf keinen Fall klopfen. Unfassbar empört über diese Anstiftung zur Unhöflichkeit folge ich dem langen Korridor und schreite Bürotüren ab.

Im ersten Zimmer ist es dunkel, keiner da. Beim zweiten Raum handelt es sich um eine Damentoilette, ich habe jedoch keinen Bedarf. Der dritte Raum ist eine Herrentoilette, zwei von drei Kabinen sind besetzt. Das vierte Zimmer ist ein staubiger Aktenraum, auf der Fensterbank steht ein Hamsterkäfig neben einer Topfpflanze. Zimmer fünf ist abgeschlossen, ich höre ein leises Wimmern. Im sechsten Büro sitzen drei ältere Damen in Strickmode, die mir berichten, ich sei hier falsch. Im siebten Raum sitzen zwei Herren in der Wanne und streiten um eine Ente. Der achte Raum beherbergt drei Chinesen und ein Kontrabass. Zimmer 9 bietet eine fantastische Aussicht über Paris. Die Räume 10, 11 und 12 sind nur für Mitglieder. In Raum 13 schellt das Telefon, ich gehe ran und eine junge Mädchenstimme weissagt, ich sei in sieben Tagen tot. Im 14. Zimmer sitzt Helmut Schmidt und raucht. In Raum 15 reißen Scobby-Do und Shaggy dem Hausmeister gerade die Maske runter.

Ich erreiche das Ende des Korridors. Die letzte Tür.

Eine junge Frau bittet mich, draußen noch einen Moment Platz zu nehmen, sie rufe mich gleich rein. Ich habe die Wahl zwischen drei Stühlen und nehme den linken. Durch die geschlossene Tür vernehme ich Tassengeklimper und gute Stimmung. Man unterhält sich über das gestrige Abendprogramm. Es riecht nach Seife und Heizungslack. Weiter hinten im Gang trabt ein deprimiertes Rhinozeros und heult blaue Blumen. Ich werde herein gerufen.

Fortsetzung folgt …