Wurstbrote

Gepostet am 29. Januar 2012

„Man muss das Beste daraus machen“, denkt man sich eckstehend, blickt auf sein Getränk und wartet auf einen besseren Song. Die einen mögen Kinder, die anderen Katzen, wieder andere Gott oder Wurstbrote. Alle haben zu tun. Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche. Keiner hat Zeit, aber alle sehen fern. Alle Wege sind asphaltiert, keiner kann mehr Spuren lesen. Was bleibt, sind die eigenen Ängste vor Neonlicht.

Und als hätte das Dasein nicht schon genug gelitten, tauchen plötzlich halbtransparente Herrenpants aus Mikrofaser im Schrank auf, in denen das männliche Geschlecht wirkt, wie ein plattnasiger Bankräuber im Nylonstrumpf! Wer empört sich darüber? Es ist Winter!

Genug ist genug! Also machen wir das Beste daraus und äußern uns nicht weiter dazu. Vorsichtshalber.

 

Meinungsfrei

Gepostet am 16. Januar 2012

Insgeheim gemeint sind Meinungen vielleicht nicht immer so gemeint, wie der Gemeinte es meint und die Bedeutungen des Gedeuteten werden nur angedeutet deutlich. Die Bedingungen scheinen nur bedingt denkbar und Angedachtes macht Bedenken. Eindringlich drängt der Eindruck einer anscheinend abscheulichen Anschauung. Dies betrachtend, betrifft den Betroffenen die Betrachtungsweise beträchtlich, trachtet nach Gerechtigkeit und rechtfertigt sich rechtmäßig. Da schlägt der Andere ihn zu Brei, kassiert die Lebensversicherung und kauft sich ein Haus in Malibu. Ende.

Auf der Linie

Gepostet am 15. Januar 2012

Liebe Facebooker, liebe Touristen,

 

dieser Blog ist eine befremdliche Kreatur, erschaffen 2008, gestorben 2010, wiederauferstanden 2012. Er dient nur einem Zweck: Nonsens dichten. Das Monster ist weder State of the Art noch informativ. Es ist kein Selbstportrait und gibt keine Stylingtipps. Es ist keine Meme, keine Kontaktbörse, keine Cloud. Es dient dem Wort. Es benötigt den passenden Humor.

 

Peter Lustig rät: Abschalten. Wir sehen uns dann im Real Life. Diejenigen jedoch, die sich mit der Thematik des geringstmöglich sinnreichen Aneinanderreihens von Kettensätzen befassen möchten oder diejenigen liebevollen Wesen, die um der alten Zeiten willen zurückgefunden haben: Seid Willkommen, aber gewarnt.


Man muss Entscheidungen treffen. Mann oder Frau. Wurst oder Käse. Wort oder Zahl.

 

Erst befasste ich mich mit dem Wort. Der Joker. Geschäftskorrespondenz. Floskeln, Anreden, Botschaften, Ausdrucke, Umschläge. Ein buckliger Schleimer. Heimtückischer Igor. Händeschütteln. Nach Feierabend dann: Die Verwandlung. StudiVZ schmerzte, aber dann kamen die Blogs. Ironischerweise zunächst regional, wo mir doch die ganze Welt offen stand. Liebenswerte Leute, jeder auf seiner Art. Der Server stand bereit, das Geschöpf datGosch wurde geboren. Ich ging hinaus und es war großartig.

 

Nach der mühseligen Pflege dieses Wesens, sehnte ich mich nach unbeschwerten 140 Zeichen. Twitter, die neue Welt. Unglaubliche Menschen und doch außerirdisch. Dann rauschten sie in ihren Raumschiffen davon und hinterließen mich … prokrastiniert. Also befasste ich mich mit meinem Leben.

 

Dann befasste ich mich mit der Zahl. Justitia. 2, 4, 6, 8, 10 – 7 x 6 / 9. Der Taschenrechner, Excel, vollgekritzelte Schreibtischunterlagen. Eine stolze Diva, unfähig zu verzeihen, aber auf ihre Art auch fair. Verloren in Gedanken, schlägt dir der Neuanfang deutlich ins Gesicht und hinterlässt dich zufrieden, aber dämlich grinsend.

 

Und nach Feierabend? Füttere ich meine Geschöpfe.

Is jawohl das Letzte

Gepostet am 21. Mai 2010

Wie oft muss man sich vorwerfen lassen: „Schatz, so eine Unverschämtheit, du hast das letzte (hier bitte ein Lebensmittel Ihrer Wahl einfügen) gegessen!“

Ein uraltes Missverständnis, haltloser Vorwurf und obendrein folgenschweres Paradoxon, das es ein für alle mal klarzustellen gilt. Bereits 1953 belegte der multigenitale Phänomenwissenschaftler Emil Krauskopf seine These, dass infolge der wechselseitigen Paranoia, seinem Partner „das Letzte“ nicht wegessen zu wollen, das eigentliche Produkt in der Tat niemals verzehrt wird, somit auf kurz oder lang verdirbt und schlussendlich weggeworfen wird.

„Ja wo kämen wir denn hin, wenn jeder von allem jeweils das Letzte wegschmeißen würde?“, dachte sich seinerzeit die ökofaschistoide Verpackungsgroßindustrielle Tetra P. Umkarton und entwickelte ein neues zukunftsweisendes Fertigungsverfahren, das die Verschwendung infolge dieser weit verbreiteten Höflichkeitsgeste dezimieren sollte: Die Subtraktionsbestückung. Was soviel heißt wie: Das Letzte einfach weglassen.

Die Nutzenvorteile der Subtraktionsbestückung wurden dankend angenommen und belegten sich nicht nur in bilanziellen Erfolgen der Lebensmittelindustrie, auch Versicherungsunternehmen verzeichneten einen rapiden Rückgang der Unfallquoten im Bereich „mysteriöse heimische Treppenstürze“.

Bedauerlicherweise ist im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, dass viele Produkte heutzutage tatsächlich noch immer nach dieser Methode gefertigt werden, was den eingangs erwähnten Vorwurf ad absurdum führt. So ist sich der moderne Konsument des absichtlichen Fehlens „des Letzten“ nicht mehr bewusst, was in Fachkreisen als sogenannter „Second-To-The-Last-Consumer-Error“, kurz WTF, bezeichnet wird. Eine Farce, gerade weil die eindeutige Anwendung der Subtraktionsbestückung bei genauerer Betrachtungsweise auch für den letzten einäugigen Halbaffen nicht von der Hand zu weisen ist. Als Beispiele seinen genannt:

Das halbe geschnittene Brot, das in Wahrheit ein ganzes Brot ist, bei dem das Endstück, die sogenannte Kniffte, dankenswerterweise weggelassen wurde. Müsli- und/oder Chipstüten, die durch die Subtraktion im oberen Fünftel zum Glück mit Luft bestückt wurden. Auch Getränkeflaschen sind niemals randvoll, sondern subtraktionsmethodisch „randvoll Minus ein Schluck“, was auf einem erworbenen Getränkekasten addiert in der Regel „voll Minus eine Flasche“ ergibt. Fruchtzwerge, allseits bekannt als 8 Stück in zwei Reihen zu erwerben, sind in der Tat 9 Fruchtzwerge. Hier wurde der Beginn des Weglassens des Letzten Zwerges ab 1964 insbesondere von Europalettenstapelfachkräften begrüßt. Selbst beim Bündel Bananen konnte die Subtraktionsbestückung erfolgreich angewandt werden, klar erkennbar an der oberen Schnittkante, einem eindeutigen Indiz der fehlenden Frucht.

Ein kurzer Auszug, der belegt, das „Verpackungsschwindel!“ unkende Anarchos der Institution „Food-Watch“ – oder auch: Männer die auf Zwiebeln starren – vollkommen fehlinformiert und nicht ernst zu nehmen sind.

Aber Achtung, windige Langzeit-BWL-Studenten-Praktikanten haben diese fantastische Lebensmittelhandhabe bereits viral in andere Branchen exportiert, so dass beispielsweise hippe schwedische Möbelfabrikanten dazu neigen, den für den Aufbau ach so notwendigen – und in der Aufbauanleitung detailgetreu gezeichneten – Hammer und/oder Schlitzschraubendreher einfach wegzulassen und die dadurch entstehende Lücke innerhalb der Umverpackung mit schnödem Styropor zu füllen.

Auch weißbeschalte Architekten mit steiler Frisur versuchten anfänglich, die Subtraktionsbestückung für sich zu nutzen, indem Sie dem Bauherren das Reihenendhaus subtrahierten. Da das „nachgerutschte“ Reihenendhaus ohne Garage jedoch aus der Mode kam, ging der Trend schnell dahin, alternativ ein mittleres Reihenhaus zu entfernen.

Is ja irre!

Die Leichtigkeit des Seins

Gepostet am 16. Mai 2010

Herren-Pyjamahosen. Hammer, weil McHammer. Und außerordentlich bequem. Mit Damen-Pyjamahosen erreicht man beide Effekte nicht. Nicht als Frau und noch weniger als Herr. In unserer Buchhaltung sitzt eine Dame namens Frau Herr. Aber das nützt ihr in diesem Fall nichts.

Am nächsten Tag sitze ich in der Küche und lese ein Buch. Er sitzt schräg gegenüber und spielt mit seiner Platine. „Warum liegt da ein Nagel?“ „Hm.“ „Tja, wie oft denkt man sich: Ach, hätte ich jetzt einen Nagel dabei.“ „Hmhm.“ Er nimmt den Nagel und schiebt ihn in den Filter eines Zigarettenstummels. „Warum hast du das gemacht?“ „Der kommt jetzt nicht mehr durch die Flughafenkontrolle.“

Etwa 1,5 Stunden später habe ich auf WDR die Reportage „Schwarzes Gold – Musik im Ruhrgebiet“ gesehen. Ruhr.2010 und so. Duisburg gehört zum Ruhrgebiet. Oder zum Niederrhein. Kommt drauf an. Aber gehörten wir tatsächlich dazu, sind wir definitiv nicht Kopf sondern Arsch. Von der Industrielandschaft zur dienstleistungsorientierten Arschkulturlandschaft. Echt hässlich hier. Den ganzen Tag laufen „Die Kassierer“.

Zeitgleich lässt Vergrämer in Oberhausen die Ruhr.Fitz veranstalten.

Ich, vermutlich, mag Duisburg nicht wegen seiner Zukunft, sondern seiner Vergangenheit. Herbert Knebel und Helge Schneider. Versteh´ste. Kultur kann man nicht kaufen.

Blaugrüne Handtücher werden nicht so schnell grau wie weiße Handtücher. Ich will ein Haus.