Wie oft muss man sich vorwerfen lassen: „Schatz, so eine Unverschämtheit, du hast das letzte (hier bitte ein Lebensmittel Ihrer Wahl einfügen) gegessen!“
Ein uraltes Missverständnis, haltloser Vorwurf und obendrein folgenschweres Paradoxon, das es ein für alle mal klarzustellen gilt. Bereits 1953 belegte der multigenitale Phänomenwissenschaftler Emil Krauskopf seine These, dass infolge der wechselseitigen Paranoia, seinem Partner „das Letzte“ nicht wegessen zu wollen, das eigentliche Produkt in der Tat niemals verzehrt wird, somit auf kurz oder lang verdirbt und schlussendlich weggeworfen wird.
„Ja wo kämen wir denn hin, wenn jeder von allem jeweils das Letzte wegschmeißen würde?“, dachte sich seinerzeit die ökofaschistoide Verpackungsgroßindustrielle Tetra P. Umkarton und entwickelte ein neues zukunftsweisendes Fertigungsverfahren, das die Verschwendung infolge dieser weit verbreiteten Höflichkeitsgeste dezimieren sollte: Die Subtraktionsbestückung. Was soviel heißt wie: Das Letzte einfach weglassen.
Die Nutzenvorteile der Subtraktionsbestückung wurden dankend angenommen und belegten sich nicht nur in bilanziellen Erfolgen der Lebensmittelindustrie, auch Versicherungsunternehmen verzeichneten einen rapiden Rückgang der Unfallquoten im Bereich „mysteriöse heimische Treppenstürze“.
Bedauerlicherweise ist im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, dass viele Produkte heutzutage tatsächlich noch immer nach dieser Methode gefertigt werden, was den eingangs erwähnten Vorwurf ad absurdum führt. So ist sich der moderne Konsument des absichtlichen Fehlens „des Letzten“ nicht mehr bewusst, was in Fachkreisen als sogenannter „Second-To-The-Last-Consumer-Error“, kurz WTF, bezeichnet wird. Eine Farce, gerade weil die eindeutige Anwendung der Subtraktionsbestückung bei genauerer Betrachtungsweise auch für den letzten einäugigen Halbaffen nicht von der Hand zu weisen ist. Als Beispiele seinen genannt:
Das halbe geschnittene Brot, das in Wahrheit ein ganzes Brot ist, bei dem das Endstück, die sogenannte Kniffte, dankenswerterweise weggelassen wurde. Müsli- und/oder Chipstüten, die durch die Subtraktion im oberen Fünftel zum Glück mit Luft bestückt wurden. Auch Getränkeflaschen sind niemals randvoll, sondern subtraktionsmethodisch „randvoll Minus ein Schluck“, was auf einem erworbenen Getränkekasten addiert in der Regel „voll Minus eine Flasche“ ergibt. Fruchtzwerge, allseits bekannt als 8 Stück in zwei Reihen zu erwerben, sind in der Tat 9 Fruchtzwerge. Hier wurde der Beginn des Weglassens des Letzten Zwerges ab 1964 insbesondere von Europalettenstapelfachkräften begrüßt. Selbst beim Bündel Bananen konnte die Subtraktionsbestückung erfolgreich angewandt werden, klar erkennbar an der oberen Schnittkante, einem eindeutigen Indiz der fehlenden Frucht.
Ein kurzer Auszug, der belegt, das „Verpackungsschwindel!“ unkende Anarchos der Institution „Food-Watch“ – oder auch: Männer die auf Zwiebeln starren – vollkommen fehlinformiert und nicht ernst zu nehmen sind.
Aber Achtung, windige Langzeit-BWL-Studenten-Praktikanten haben diese fantastische Lebensmittelhandhabe bereits viral in andere Branchen exportiert, so dass beispielsweise hippe schwedische Möbelfabrikanten dazu neigen, den für den Aufbau ach so notwendigen – und in der Aufbauanleitung detailgetreu gezeichneten – Hammer und/oder Schlitzschraubendreher einfach wegzulassen und die dadurch entstehende Lücke innerhalb der Umverpackung mit schnödem Styropor zu füllen.
Auch weißbeschalte Architekten mit steiler Frisur versuchten anfänglich, die Subtraktionsbestückung für sich zu nutzen, indem Sie dem Bauherren das Reihenendhaus subtrahierten. Da das „nachgerutschte“ Reihenendhaus ohne Garage jedoch aus der Mode kam, ging der Trend schnell dahin, alternativ ein mittleres Reihenhaus zu entfernen.
Is ja irre!